Kamnitzklamm - Unwegsamer Teil


Der Kamnitzbach/Kamenice in der Böhmischen Schweiz durchfließt zwischen Windisch-Kamnitz/Srbská Kamenice und Herrnskretschen/Hrensko auf 10 Km Länge mehrere enge Felsschluchten, die sogenannten Kamnitzklammen. Diese teilen sich wie folgt auf:

- Ferdinandsklamm - 1,7 Km lang, zwischen Windisch-Kamnitz und der Grundmühle, Bootsfahrt von 1881 bis 1939, teilweise Pfade am Ufer,  Betreten erlaubt
- Kurzes Stück - 0,5 km lang, zwischen der Grundmühle und dem Kirchgrund Hohenleipa, Pfad am Ufer, Betreten erlaubt
- Unwegsamer Teil - 2,5 Km lang, zwischen Kirchgrund Hohenleipa und Soorgrund, einige Pfadspuren, Zone 1 des NP, Betreten verboten
- Wilde Klamm - 1,8 Km, zwischen Soorgrund und Stimmersdorfer Brücke, markierter Wanderweg und Bootsfahrt seit 1898, Betreten erlaubt
- Edmundsklamm - 3,5 Km, zwischen Stimmersdorfer Brücke und Herrnskretschen, markierter Wanderweg und Bootsfahrt seit 1890, Betreten erlaubt

Übersichtskarten

Unwegsamer Teil:

Durch diesen Teil der Kamnitzklamm hat es nie einen richtigen Weg gegeben. Nur das kurze Stück bis zur Hohlen Teufe wurde schon seit langem begangen. Der größte Teil blieb aber unwegsam und wurde nur manchmal von Außenseitern oder tschechischen Tramps aufgesucht. Seit der Gründung des Nationalparkes Böhmische Schweiz im Jahre 2000 gehört dieser Teil der Kamnitzklamm zur Zone 1 und das Betreten ist komplett verboten.

Beschreibung: Von der Einmündung des Kirchgrundes Hohenleipa in die Kamnitzklamm aus führt eine Pfadspur am rechten Ufer entlang, nach 200 Metern durch die Hohle Teufe, eine durch große abgerutschte Felsplatten gebildete 30 Meter lange Höhle. Dann folgen noch 700 Meter Pfadspur, bis es wegen vorspringender Felsen am rechten Ufer nicht mehr weitergeht. Auf den folgenden 1,6 Km muß man insgesamt 8-mal durch den Bach waten, wenn man weiterkommen will. Pfadspuren sind nur noch sporadisch zu finden, wenn überhaupt, dann sind diese hauptsächlich durch tschechische Tramps entstanden. Teilweise muß man sich den Weg durch unwegsames Gelände selber bahnen. Mehrere schwierige Stellen mit Felsblöcken am Ufer sind zu bewältigen, an einer Stelle mit einem 3 Meter hohen Felsblock ist das Weiterkommen nur möglich durch ein dort hängendes altes verrottetes Seil, vermutlich von Tramps angebracht.

An 3 verschiedenen Stellen findet man noch große viereckige Löcher beiderseits des Baches in den Fels gemeißelt, die von früheren Holzschleusen stammen. Vor 1880 wurde der Bach vielfach zum Holzflößen genutzt, aufgrund des schwierigen Geländes allerdings nur für kurze Holzstämme, sogenannte Klötzer. Deshalb wurde der Bach von den Einheimischen teilweise auch Klötzerbach genannt (A. Paudler, Ein deutsches Buch aus Böhmen, 1895, Teil 3, S.108).

Nach 1,5 Km steht an der rechten Bachseite die sogenannte Lange Wand, eine 150 Meter lange schnurgerade Felswand, an der der Bach direkt entlangfließt. Nach 2,1 Km befindet sich an der rechten Felswand direkt über dem Wasser eine eingemeißelte Inschrift von 1893, das Renet-Kreuz. Das Kreuz erinnert an die Rettung des 3-jährigen Karl Renet, der an dieser Stelle nach einem Sturz vom Felsen in den Bach durch Waldarbeiter nur leicht verletzt geborgen werden konnte.

Begehung 2018: Bei einer Begehung der Unwegsamen Kamnitzklamm zu zweit Anfang September 2018 wurden vom Kirchgrund Hohenleipa bis zum Soorgrund 5:10 Stunden benötigt, dabei entfielen allein auf die 1,6 Km mit den 8 Bachdurchquerungen 4:30 Stunden (mit Pausen, ausgiebig fotografieren und Schuhe aus- und anziehen). Die Wassertiefe bei den Durchwatestellen betrug zwischen 20 und 60 Zentimetern, an manchen Stellen lag Nebel über dem Wasser, bedingt durch die Temperaturverhältnisse und die Feuchtigkeit über dem Bach und zwischen den Felswänden.

Interessant ist, daß es früher mehrfach Pläne gab, auch diesen Teil der Kamnitzklamm mit Wegen und einer Bootsfahrt öffentlich zugänglich zu machen, ähnlich wie in der Edmundsklamm, Wilden Klamm und der damals noch befahrenen Ferdinandsklamm.
1905 gab es den Plan einer Bootsfahrt zwischen der Grundmühle und dem Soorgrund, allerdings aufgrund des schwierigen Geländes nur bachabwärts. Da die Boote aufgrund des starken Gefälles aber nicht leer zurückgerudert werden konnten (wie in der Ferdinandsklamm), und ein Leinpfad am Ufer zum zurückziehen der Boote besonders im letzten Teil der Klamm äußerst schwierig zu errichten gewesen wäre, wurde dieser Plan fallengelassen.
Zwischen 1919 und 1922 gab es den Plan einer Bootsfahrt in beide Richtungen. Wenige Meter vor der Einmündung des Soorgrundes wollte man einen 17 Meter (!) hohen Staudamm mit 2 elektrischen Turbinen errichten. Der Damm hätte das Wasser 1,5 Km weit in Richtung Kirchgrund angestaut und eine Bootsfahrt in beide Richtungen ermöglicht. Zur Finanzierung des Projektes wollte man u.a. sogar eine Art Strafsteuer von einigen Fabrikbesitzern in Böhmisch-Kamnitz erheben, die mit ihren Abwässern immer den Kamnitzbach verunreinigten. Das Projekt wurde aber (zum Glück) besonders aus Umweltschutzgründen abgelehnt (Natálie Belisová, Osud má jméno Dolský mlýn, 2016, S. 148-150).
1932 gab es wiederum die Idee einer einseitigen Bootsfahrt. Einen Teil der Klamm wollte man mit einem Weg ausbauen, auf dem restlichen Teil sollte die Bootsfahrt mithilfe einer besonderen Konstruktion stattfinden. Quer über dem Bach wollte man Traversen mit Seilrollen befestigen, über die ein Seil laufen sollte. An einem Seilende sollte ein voll besetztes Boot bachabwärts fahren und dabei gleichzeitig mit dem anderen Seilende das leere Boot bachaufwärts ziehen. Ob das in dem Gelände so funktioniert hätte, ist fraglich, eine Skizze dieses Projektes existiert jedenfalls noch im Kreisarchiv Děčín (ebd. S. 151). Letztendlich wurde auch dieses Projekt wegen der zu erwartenden Unrentabilität verworfen.
Bei allen 3 Projekten spielte auch noch eine Rolle, daß damals zum Betreten in die Schluchten Edmundsklamm und Wilde Klamm Eintritt erhoben wurde. Je ein Kassenhäuschen (auch Billet-Ausgabe oder Einnehmerhäuschen genannt) stand oberhalb im Soorgrund, an der Stimmersdorfer Brücke  und in der Edmundsklamm. Bei der Verwirklichung eines der Projekte hätte man auch aus Richtung Grundmühle ein viertes Kassenhäuschen bauen müssen. Schon das sorgte bei den Projektierungen immer wieder für zusätzliche Probleme.

So ist uns also dieser Teil der Kamnitzklamm fast in seinem ursprünglichen Aussehen bis heute erhalten geblieben.

  • 15-Minuten-Video der kompletten Begehung der Unwegsamen Kamnitzklamm: Video

Fotos:

Links zum Renet-Kreuz:

http://www.suehnekreuz.de/tschech/aussig/dittersbach.htm

(ganz unten/Länge der Klamm ist dort mit 4 km falsch angegeben)

https://www.doubice.cz/images/fotky/uklid-strze-2014/renetuv-kriz.pdf

(leider nur in tschechisch, aber komplette Beschreibung des Unglücks)


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